Mein rechter, rechter Platz ist leer

Liebe Frau Dr. Frauke Petry, traurigen Herzens las ich in der Zeitung die Äußerungen von EU-Kommissar Günther Oettinger, der sagte: „Wenn die komische Petry meine Frau wäre, würde ich mich heute Nacht noch erschießen.“ Im Namen aller Männer von der Maas bis an die Memel möchte ich mich für diese Äußerung entschuldigen. Sie ist total dämlich, verletzend und niveaulos. Zudem möchte ich hier ganz klar sagen: Ich würde mich weder heute noch morgen Nacht erschießen, wären Sie meine Frau, liebe Frau Dr. Frauke Petry!

Oft weht Ihnen in diesen Tagen der kalte Wind der Ablehnung entgegen. Ich möchte Ihnen nun meine Zuneigung ausdrücken.

Vielleicht ist es sogar mehr als das. Vielleicht sind da Gefühle im Spiel. Weiterlesen

Der Lenin der Berge

Ich bin gerade aus einem Skiurlaub wiedergekommen, der familienhistorisch vermutlich von Bedeutung bleiben wird. Es ist nämlich das erste Mal so gewesen, dass meine Töchter ganz offensichtlich besser Ski fuhren als ich. Schon die Jahre davor war diese Entwicklung absehbar, aber ich hatte die eine oder andere technische Schwäche meinerseits noch durch väterliche Autorität, Verdrängung  und gezielte Manipulation ausgleichen können. Weiterlesen

Nackt im Eltern-Kind-Café

Eine Freundin befindet sich in einer anstrengenden Lebensphase. Sie hat auch zwei kleine Kinder. Einen Nachmittag lang wollte ich sie unterstützen, auf heitere Gedanken bringen. „Was möchtest du machen?“, fragte ich. „Die Kinder wollen ins Puppentheater“, sagte sie.

Die Kinder sind drei und fünf. Obwohl, sind sie das? Ich kann das bei Kindern nur schwer einschätzen. Es ist wie mit alten Leuten, da weiß ich auch nie, wie alt sie sind. 55 oder 85, wo ist der Unterschied? Weiterlesen

Der Mann mit dem Doppelknoten

In zwei Wochen habe ich einen Operationstermin. Der Eingriff wird nicht lange dauern, höchstens eine Viertelstunde, sagt der Arzt. Ich bekomme eine lokale Betäubung und ein bisschen Lachgas, der Arzt  nimmt sein Skalpell,  macht, zipp-zapp, zwei Schlitze in meinen Hodensack, zieht die Samenleiter raus, schneidet sie durch, knüpft einen schönen, festen Doppelknoten. Wenn ich wieder aufwache, bin ich sterilisiert.
Warum ich das mache? Tja, das frage ich mich jetzt auch manchmal.

Wobei es natürlich Gründe gibt. Wichtige Gründe. Seit  23 Jahren ist meine Frau Catherine für unsere Verhütung zuständig, sie hat in dieser Zeit vermutlich mehr Hormone zu sich genommen als jedes  Huhn aus der brandenburgischen Massentierhaltung. Deshalb sagte ich neulich: „Hey, Putzili, wir haben zwei Kinder,  mehr brauchen wir nicht. Jetzt nehme ich das mit der Verhütung in die Hand.“ Weiterlesen

Eine Badewanne voll Aufregung

Jetzt, wo der Januar sich dem Ende zuneigt, habe ich einen kleinen winterlichen Wunsch: Bitte keine gesellschaftliche Debatte mehr. Mal kurz Pause, okay?

Ich bin müde. Vermutlich, Historiker werden das bald feststellen, war der Januar 2016 der debattendichteste Monat der jüngeren deutschen Geschichte. Erst ging es um Köln, dann um Rassismus, dann um Sexismus, dann um die Flüchtlinge, und zuletzt kam die Frage auf, ob ganz Deutschland „auf der Kippe“ stehe und man sich hier „noch sicher fühlen“ könne. Weiterlesen

Zwei Flöhe in Miami

Wer mich kennt, weiß, wie viel mir die Gleichstellung von Frauen und Männern bedeutet. Man nennt mich nicht ohne Grund die Alice Schwarzer vom Prenzlauer Berg.  Ich habe zwei süße Töchter, die ich gendermäßig ganz schön auf Trab halte. Im Grunde ist mein gesamtes Familienleben ein einziges Gender-Experiment. Ich will, um es  kurz zu sagen, herausfinden, was aus Mädchen wird, wenn sie nicht wie Mädchen behandelt werden. Weiterlesen

Jetzt schreibe ich mal!

Seit dreizehn Jahren schreibt unser Kolumnist Maxim Leo im Magazin der Berliner Zeitung über seine Familie. Jetzt meldet sich zum ersten Mal seine Tochter Anais (15 Jahre) zu Wort, um die eine oder andere Sache richtig zu stellen:

Hallo, ich bin Anais. Seit ich ein Baby bin, schreibt mein Vater über mich und unsere Familie. Das ist oft ziemlich übertrieben. Anders als Sie vielleicht denken, ist mein Vater zu Hause auch nicht besonders witzig. Er ist eher streng, würde ich sagen. Letztens schrieb mein Vater  über die alljährlichen Taschengeld-Verhandlungen, die bei uns zu Hause stattfinden. Da dachte ich, jetzt schreibe ich mal, wie es wirklich war. Weiterlesen

Hitlers Tulpenzwiebel

Die Nachricht, dass der Führer nur ein Ei hatte, ereilte mich in Österreich an einer Tankstelle. „Arzt-Dokument bestätigt offiziell: Hitler hatte nur einen Hoden!“, las ich auf der Titelseite einer großen Zeitung. Anscheinend war das Untersuchungsprotokoll eines Arztes aus dem Jahr 1923 aufgetaucht. Der Eier-Bericht.

Mir war natürlich klar: Weite Teile der deutschen Geschichte müssen jetzt neu geschrieben werden. Wäre Stalingrad vermeidbar gewesen mit zwei Eiern? Hätte es Auschwitz nie gegeben mit einem 1A-Führerhoden? Braucht das Horst-Wessel-Lied einen neuen Text? Klingelingeling, klingelingeling, hier kommt der Eiermann.  Weiterlesen

Straftaten im Namen der Liebe

Jede Familie hat ihre Weihnachtstradition, ihre Rituale. Man sollte diese Gewohnheiten nicht verändern. Ich habe zum Beispiel mal angeregt, den Baum nicht erst am späten Nachmittag des 24. Dezember zu schmücken (wie es seit Jahrtausenden bei den Leos üblich ist), sondern schon um die Mittagszeit. „Wäre doch viel praktischer“, sagte ich. Meine Töchter sahen mich an, als hätte ich vorgeschlagen, das Lendentuch von Jesus als Minirock zu tragen. Sie sagten: „Aber Papa, es war doch immer so!“ Weiterlesen

Bin ich zu doof?

Diese Kolumne hat das Thema Lügenpresse.  Im Monat Dezember empfehlen kluge Redakteure in der Zeitung ihre Bücher, Musikalben und Filme des Jahres. Stets lese ich neugierig, was die Redakteure Hübsches empfehlen. In der Hoffnung, Übereinstimmungen mit eigenen Vorlieben vorzufinden. Leider passiert das nie. Von den gepriesenen „Büchern des Jahres“ habe ich eines gelesen, von den Musikalben keines gehört, und von den Filmen zwei gesehen. Vielleicht. Es gab auch schon Jahre mit der Quote null, null, null.  Ich frage mich dann traurig: Wieso? Und fühle mich mittelmäßig,  faul, kulturell abgehängt. I’m a loser, Baby.  Weiterlesen