Einsame Gewinner

Ich war im Sommerurlaub in Portugal. Der Typ am Mietwagenschalter am Flughafen sagte: „Ach, schon wieder ein Fußball-Weltmeister.“ Dann senkte er traurig den Blick. Der Mann vom Gemüsemarkt in Sagres sagte: „Grüßen Sie Angela Merkel von mir und sagen Sie ihr, dass sie uns Angst macht mit ihrer Euro-Politik.“ Ein Fado-Sänger in Lissabon, der ja nun gewissermaßen von der Traurigkeit lebt, sagte: „So traurig war es hier noch nie, aber das könnt ihr Deutschen euch wahrscheinlich gar nicht vorstellen.“ Na ja, so ist das, wenn man im Moment als Deutscher durch Südeuropa reist. Am liebsten hätte ich gesagt: „Hey Leute, ich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball, meine große Leidenschaft ist das Sackhüpfen, ich war sogar mal Vizemeister vom Bezirk Prenzlauer Berg im mittelgroßen Jutesack.

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Eine naive Idee

Von Jochen-Martin Gutsch

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle schreiben, wie man den Nahost-Konflikt löst. Aber dann fiel mir nichts ein. Stattdessen schaute ich die Fernsehnachrichten und wartete darauf, dass einer der Reporter in Tel Aviv oder Gaza auf die Frage: „Nun, wie ist die Lage?“ antworten würde: „Ach, so wie immer seit 65 Jahren.“ Weiterlesen

Sei ein Adler, Coco Chanel!

Von Jochen-Martin Gutsch

Vor ein paar Tagen drückten mir meine Eltern einen Vogelkäfig in die Hand und sagten: „Wir fahren in den Urlaub. Jemand muss sich um Coco kümmern. Übrigens, er isst gerne Mangold.“ Zu Hause stellte ich den Käfig in die Küche, rief die Frau, die ich mag, und dann schauten wir beide den fremden Vogel an, einen knallgelben Wellensittich. Weiterlesen

Die Bälle der Frauen

Maxim Leo wollte die Welt revolutionieren – zumindest die zwischen Frauen und Männern. Und der Erfolg schien nur einen Ballwurf entfernt.

Letztens habe ich versucht, genderpolitisch ein bisschen was voranzubringen. Ich meine, es nützt doch nichts, wenn man immer nur redet, man muss auch mal was tun, wenn man die Schranken überwinden will, die zwischen Männern und Frauen stehen. Wenn man dafür sorgen möchte, dass Gleichheit kein leeres Wort mehr ist, sondern Wirklichkeit wird.

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Die Welt ertrank in Stille

Von Jochen-Martin Gutsch a.k.a. Jogi Gutsch

Liebes Tagebuch, ich sitze im Loch. Mental gesehen. Vom Kopf her gedacht, verstehst du? Es begann am Flughafen Stuttgart, wo mich Daniela, meine Ehefrau, abholte. Wir gingen zum Auto, ich summte den Helene-Fischer-Song „Atemlos durch die Nacht“, und dann wollte ich einsteigen und nach Hause rasen, aber Daniela zeigte auf den Beifahrersitz und sagte: „Hier, mein Freund. Da ist dein Platz.“

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Buenos Dias, ich bin hier!

Von Maxim Leo alias Jogi Leo

Liebes Tagebuch, ich sitze am Strand von Campo Bahia, unter dem Baldachin, den Andy Köpke vor zwei Tagen aus brasilianischen Fahnenresten für mich geknüpft hat. Vor mir kauert die Müller-Hohenstein vom ZDF und bemalt meine Fußnägel. Sie hatte vorgeschlagen, meine historische Heldenwerdung in zehn Miniaturbildern zu erzählen. Sie ist gerade mit dem linken kleinen Zeh fertig: Die Geburt von Joachim dem Starken. Die Geschichte soll später am rechten kleinen Zeh enden, mit meiner Heiligsprechung im Aachener Dom.

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Ich will nicht Weltmeister werden

Von Jochen-Martin Gutsch

Liebes Tagebuch, kurz vor Anpfiff des Frankreich-Spiels saß ich für ein paar Minuten alleine in der Kabine. „Machst du noch Yoga, Jogi?“, hatte Hansi Flick gefragt, und ich sagte: „Ja, klar. Abwärtsschauender Hund, aufwärtsschauender Hase und den nagenden Dachs.“ Und Hansi, der Trottel, hat brav genickt und ging zum Aufwärmen. Weiterlesen

Popeln ist gesund

Liebes Tagebuch, es ist vier Uhr am Morgen, und ich kann nicht schlafen. Keine Ahnung, was mit mir los ist. Wach geworden bin ich, weil ich einen seltsamen Traum hatte: Ich mache in der Mucki-Bude Armdrücken mit Müller-Wohlfahrt. Der Doc ist bärenstark, ich spüre, dass ich verlieren werde. In diesem Moment kommt Miro Klose in den Kraftraum, er setzt sich neben mich und spricht mit mir. Der Doc kann ihn offenbar weder sehen noch hören. Miro sagt, dass er mir beim Armdrücken hilft, wenn ich ihn beim nächsten Spiel gleich in der ersten Halbzeit bringe. Meine Kräfte schwinden, der Doc schnauft. Miro stemmt seine Hand gegen meinen Arm und verhindert so meine sofortige Niederlage. „38. Minute, Super-Miro kommt für Thomas Müller, okay?“ Ich schüttle mit dem Kopf, Miro zieht die Hand weg, der Doc gewinnt. Weiterlesen

Duschen mit der Kanzlerin

Von Jochen-Martin Gutsch

Liebes Tagebuch, ich bin sehr, sehr zufrieden im Moment. Vor allem mit mir, dem Joachim Löw. Portugal besiegt, die Ghanaesen haben die Hosen voll, das rieche ich bis in unser Campo. Und die USA haben jetzt den Berti als Berater, das nenne ich mal: sich ins eigene Knie schießen.

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Arschbomben im Campo

Liebes Tagebuch, seit vier Tagen sind wir in Brasilien, und erst jetzt komme ich  zum Schreiben. Ist einfach zu viel los, ständig will irgendeiner was von mir. Gerade war der Basti da und hat mir ein selbstgemaltes Bild gebracht. Das heißt, es war gar kein richtiges Bild, eigentlich war es nur ein weißes Blatt Papier mit einem schwarzen Kreis  in der Mitte, auf dem ein Totenkreuz steht und eine 6. Da soll ich mal drüber nachdenken, hat der Basti gesagt. Weiterlesen